MÜNCHENER TAXIGEWERBE VERÄRGERT ÜBER BOULEVARDPRESSE

In einer Meldung auf TZ.de wird gefährliches Halbwissen bezüglich des Taxistandplatzes am Pasinger Bahnhofs vermittelt. Das Gewerbe ist sauer.

Probleme mit dem Taxistandplatz am Bahnhof Pasing sind nicht Neues. Als vor über 12 Jahren der Bahnhofvorplatz neu gestaltet wurde, wurden die Taxis, die zuvor direkt vor dem Bahnhofsgebäude auf Ihre Fahrgäste gewartet haben, schlichtweg vergessen. In der Folge wurde der Taxistandplatz auf der Südseite mehrfach verlegt. Dabei büßten das Taxigewerbe rund zwei Drittel der Standplätze ein, während Bus und Tram-Haltestellen weiter ausgebaut wurden. Für das Taxi, das ebenso ein Bestandteil des ÖPNV ist, konnte bislang keine Lösung gefunden werden, die sowohl das Taxigewerbe als auch die Lokalpolitik zufrieden stellt. Ein Bericht auf tz.de brachte jetzt das Fass zum Überlaufen, denn darin waren Behauptungen zu finden, die einen falschen Eindruck vom Taxigewerbe erwecken.

Mit täglich insgesamt 85.000 Reisenden zählt der Pasinger Durchgangsbahnhof zu den 20 meistfrequentierten Bahnhöfen der Deutschen Bahn. Aktuell stellen sich die Taxis am Pasinger Bahnhofsplatz auf. Wenn am Taxistand großer Andrang herrscht, weil in Bayerns viertgrößtem! Bahnhof ein ICE gehalten hat, dann mangelt es häufig an entsprechendem Taxi-Nachschub. Einige Kollegen stellen sich deshalb gerne überzählig bereit und warten in der Nähe. Das ist natürlich nicht zulässig und ist unter anderem ein Auslöser für den Ärger mit der Lokalpolitik.

Insbesondere wegen der unerlaubten Bereitstellung in der Bäckerstraße, so die tz sieht die SPD sofortigen Handlungsbedarf. „Es ist einfach eine Frechheit und kann so nicht weitergehen“, wird die Fraktionssprecherin Constanze Söllner-Schaar von der Tageszeitung zitiert. Der Allgemeine Deutsche Fahrrad-Club (ADFC) hebt zudem die Gefahr durch parkende Taxis auf Geh- und Fahrradwegen hervor. Die TZ schreibt: „Die Taxi-Genossenschaft gelobte immer wieder Besserung. Doch es änderte sich nichts.“ Darauf entgegnet Thomas Kroker, Vorstand der Taxi München eG im Gespräch mit Taxi Times empört: „Wir als Taxi Genossenschaft können die Fahrer nur auf die Parksituation hinweisen. Da die Autos den Taxiunternehmen gehören und nicht uns, sind uns darüber hinaus die Hände gebunden.“

Die Polizei, die für die Ahndung der Parkverstöße zuständig ist, kann auch nicht durchgreifen, denn häufig werden keine Knöllchen ausgestellt, weil die Fahrzeuge auf privatem Grund oder Ladezonen stehen, wo kein Fußgänger oder Radfahrer behindert wird. So wie die aktuelle Situation ist, kann es aber nicht weitergehen, denn der ADFC verursacht noch mehr Gegenwind. Dort wo sich aktuell der Taxistand befindet, soll Platz für den Fahrradweg gemacht werden. Unterm Strich sind die Taxis scheinbar nirgendwo willkommen.

Doch es gibt auch anderen Stimmen. Dass der Taxistand am Bahnhofsplatz nicht allen Parteien ein Dorn im Auge ist, zeigt die politische Unterstützung von der CSU. Stellv. Ortsvorsitzender Sven Wackermann erkannte bereits Mitte November richtig: „Die Taxis werden benötigt und müssen in Sichtweite sein, wenn man aus dem Bahnhofsgebäude kommt“. Ein guter Ansatz, der aber auch aktuell nur recht selten zutrifft, denn auf der Sichtachse zwischen dem Haupteingang des Bahnhofs befindet sich die Endhaltestelle für zwei Trambahnlinien.

In einer Sitzung im November wurde dann zunächst die Idee entwickelt, den Taxistand an die Nordumfahrung auszulagern. Ein Standort, der, so versicherte ein Sprecher der Taxi München eG, dem Taxigewerbe keine Zukunftssicherheit bieten kann. Denn einerseits sei er nicht in der Nähe des Haupteingangs des Bahnhofs, sondern befinde sich sogar auf einer höheren Ebene. Die Abfahrt sei zudem nur in Richtung Stadtzentrum möglich. Fahrgäste mit Ziel Pasing wären gezwungen einen großen Umweg zu fahren.

Im November einigte man sich schließlich auf einen Ortstermin, bei dem auch die Anlieger bzw. Geschäftsinhaber, aber keine Taxivertreter eingeladen waren.

Als Ergebnis des Termins wird nun folgende Idee präsentiert: Der Taxistand soll vor die Münchner Bank in der Bäckerstraße verlegt werden. Dort könnten fünf klar markierte Plätze entstehen. Zusätzlich soll ein Nachrückplatz in der Straße „Am Schützeneck“ errichtet werden. Dieses Ergebnis hinterlässt viel Frust bei der Taxi München eG. „Dieser Vorschlag ist so gut, dass wir ihn bereits vor drei oder vier Jahren gemacht haben, warum dieser Vorschlag heute für gut befunden wird und nicht schon damals, ist mir unverständlich. So hätte man sich viel Zeit und Ärger sparen können,“ sagte Thomas Kroker.

Für den Taxistand vor der Münchner Bank spricht auch, dass die Fahrgäste, ohne eine Straße zu überqueren, so wie es jetzt der Fall ist, zu den Wagen gelangen können. Zudem wäre die Sichtbarkeit deutlich besser als an dem aktuellen Taxistandplatz.

Ob man einer endgültigen Lösung des Konflikts näher gekommen ist, ist aktuell eher unwahrscheinlich, denn entschieden ist nämlich noch gar nichts. „Ob dieses Konzept realisierbar sein wird, ist noch unklar. Daher haben wir eine Besprechung mit der Verwaltung im Rahmen des Workshops Pasing Zentrum angeregt“, wird Bezirksausschuss-Chef Frieder Vogelsgesang (CSU) zitiert. In Pasing ist also mal wieder alles offen.

Autor: Simon Günnewig

Beitragsbild: Zwei Straßenbahnlinien und diverse Buslinien teilen sich mit Taxi, Fahrrad und Auto die Verkehrsfläche. Am Pasinger Bahnhof geht es zu „wie am Stachus“. Foto (Taxi Times)