24-Stunden-Uber-Streik in München
Rund 1.000 Uber-Mietwagen aus München und der Umgebung haben sich für 24 Stunden von der Vermittlung abgemeldet. Damit wollen die Mietwagenbetriebe ein Zeichen setzen und den Plattformvermittler dazu bringen bei den hohen Vermittlungsgebühren einzulenken.
Seit Montag früh um 9.00 Uhr, so die offizielle Version, haben mehrere Mietwagenunternehmen (Uber Partner) ihre Fahrzeuge für 24 Stunden in München von der Vermittlung durch Uber ausgeschlossen. Über 1.000 der rund 1.800 Plattform-Mietwagen in München blieben also stehen. Anlass für den Streik gibt die finanzielle Situation der Mietwagenbetriebe. Ihnen steht das Wasser offenbar bis zum Hals, sodass zuletzt die hohen Spritpreise der letzte Sargnagel für Gewerbe waren. Für die Unternehmer ist klar, dass die hohen Vermittlungsgebühren, die bis zu einem Drittel des Fahrpreises ausmachen, nicht mehr länger hinzunehmen sind. In einem inoffiziellen Schreiben wurden, unter anderem, eine Vermittlungsgebühr in Höhe von 15 Prozent gefordert.
Neben dem Fahrerstreik gab es auch noch eine offiziell genehmigte Demo. Am Uber Greenlight Hub in der Rosa-Bavarese Straße, nahe der S-Bahn Laim trafen sich Unternehmer und Fahrer mit dem Ziel in einem Gespräch mit Uber-Deutschland-Chef Christoph Weigler, eine Einigung bei der Höhe der Provision zu erreichen.
Anders als im Vorfeld zu hören war, richtete sich der Protest nicht gegen die Mietwagen, welche aus dem Münchner-Umland Fahrten in München durchführten. Dass man diese Forderung nicht mit Nachdruck umsetzen wollte, konnte man allein schon an den Kennzeichen der Uber-Fahrzeuge erkennen, die im Umfeld der Rosa-Bavarese-Straße nach Parkplätzen suchten. In der Regel hatten sie Augsburger oder auch Fürstenfeldbrucker Nummernschilder.

Gut besucht war der Vorplatz allerdings nicht, scheinbar ging es aber nicht um einen lautstarken Protest, vielmehr, so ein Sprecher der Uber-Vertreter: „Wir wollen uns zunächst mit Uber einigen, bevor wir den Protest weiter nach außen tragen. Den Streik wird Uber sicherlich spüren.“
Für Außenstehenden muss die Demo auch eher wie ein Zusammentreffen von ein paar Freunden gewirkt haben. Keiner der rund dreißig Anwesenden hatte Plakate oder auch Transparente mit Forderungen im Gepäck. Man saß friedlich zusammen, trank Kaffee und rauche Zigaretten.

Während die Einen auf eine Reaktion aus dem Uber Büro warteten, liefen abgeschlossen von der eigentlichen Demonstration Gespräche mit einigen wenigen Mietwagenunternehmern, die insgesamt eine vierstellige Anzahl von Fahrzeugen vertraten. Da die Uber-Unternehmer in keiner Interessenvertretung oder einem Verband organisiert sind, war die Sorge einiger Anwesenden, ob hinter verschlossenen Tür spezielle Deals für nur einige wenige Betriebe verhandelt wurden, oder ob man dort für alle Uber-Mietwagenbetriebe sprach. Die Mehrheit der wartenden Demonstranten blieb nur die Hoffnung, dass die Verhandlung im Namen aller Mietwagenbetriebe geführt wurden.
Dennoch konnte man auch von kleineren Betriebe berichten, die kurz vor der Insolvenz stehen würden, ebenso wie von Fahrern erzählt wurde, die durch Selbstausbeutung und übermäßig lange Schichten versuchen würden, dem sicheren Ruin zu entgehen.
Der heutige Tag hat ausdrücklich gezeigt, wie es um die Münchner Mietwagen steht, die sich von den Plattformen vermitteln lassen. Letztlich ist es so, dass Viele sich in einem finanziellen Engpass befinden und sich gezwungen sehen, jede Fahrt anzunehmen. Denn man weiß nie, wie lukrativ der nächste Auftrag ist. Und selbst wenn man die automatische Fahrtenannahme nicht aktiviert hat, rutscht man in Uber Vermittlungssystem immer weiter in der Rangfolge ab.
Quelle: Taxi Times
Originalmeldung: https://taxi-times.com/24-stunden-uber-streik-in-muenchen/
Autor:Redaktion
Beitragsfoto: Uber Greenlight Büro in München Foto: Taxi Times
